Als Fan vom Kochen mit Gusseisen habe ich mich auf diesen Schmortopf gefreut und wurde nicht enttäuscht: Es handelt sich um solide Qualität. Die 30 Jahre Garantie sind eine klare Ansage. Die Qualität ist bei näherer Betrachtung an den Details der Verarbeitung zu erkennen, der schönen Emaille, den Noppen im Deckel, welche für ein verteiltes Zurücktropfen des kondensierten Dampfes sorgen. Der Boden ist weitgehend flach und gegen die Mitte hin minimal nach Innen gewölbt, so, wie es sein soll. Das Gewicht ist mit 4430g (inkl. Deckel) nicht zu gering, auch im Vergleich. In der Praxis noch nicht getestet habe ich ihn mit Rezepten, bei denen es auf die Dichtigkeit zwischen Topf und Deckel ankommt (siehe Hinweis auf dem 4. Produktbild), etwa Brot, wo möglichst wenig Feuchtigkeit entweichen soll.Die erste Erfahrung war mir eine kleine Lehre, denn das Kochgut ist am Boden gründlich angebrannt. Leider hatte ich nicht beachtet, was im beiliegenden „Koch- und Pflegeleitfaden“ zu lesen ist: Bei einer solchen Keramikbeschichtung soll man nicht mit hoher Temperatur anbraten (siehe Foto)! Man muss sich also im Klaren sein: Man hat hier nicht eine eigentliche Anti-Haft-Beschichtung, wie man sie von manchen Bratpfannen kennt. Die Aussage „natürliche Antihaftwirkung“ in der Produktbeschreibung ist deshalb mit Vorsicht zu genießen.Mitgeliefert werden diverse Zugaben, die qualitativ ebenfalls hochwertig und praktisch sind: Die Mini-Topfhandschuhe, eine Art, die ich nicht kannte, sowie drei Kochgeräte aus Teakholz, ein Tropenholz. Hier würden wir einen Nachhaltigkeitsnachweis erwarten, also eine Zertifizierung, dass das Tropenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und nicht aus der Abholzung von Urwald.Dennoch ergibt sich ein insgesamt positives Bild, soweit wir dies beurteilen können. Störend sind jedoch verschiedene weitere Details am Rande. Das ganze Drumherum mit schöner Verpackung und vielen wohlklingenden Worten erschlägt einen beinahe und verrät einen großen Marketingaufwand. Dazu gehören Rezeptvorschläge, z.B. eines für Spaghetti Bolognese (siehe Fotos). Ich kann jedoch nur raten, dem Rezept nicht zu folgen, denn hier wurde die Flüssigkeit vergessen: Es findet sich weder Rotwein noch Brühe noch Wasser. Dies ist jedoch nur ein Hinweis auf ein paar weitere Unstimmigkeiten, die man wichtig finden kann oder auch nicht; die weiteren Rezepte habe ich nach dieser Entdeckung nicht angeschaut.Der in China produzierte Topf sieht übrigens beinahe genau gleich aus wie ein Gusseisen-Bräter eines bekannten französischen Herstellers mit 100-jähriger Tradition, der in Frankreich hergestellt wird, außer dass hier, in der Emaille des Deckels, der bekannte Markenname fehlt. Schaut man sich den Boden des Topfes an, fällt etwas auf: Nichts! (siehe Foto) Also nicht, wie man es erwarten würde, eine Prägung mit dem Markennamen. Dieser, also „Gusskönigin“, findet sich lediglich auf dem aufgeschraubten Griff auf dem Deckel. Dadurch entsteht der Eindruck eines Topfes aus OEM-Produktion, dass also der Keramiktopf mit anderem Griff unter anderem Namen vermarktet werden könnte. Das muss nicht schlecht sein und spricht nicht gegen die Qualität des Topfes.Auf dem Produkt selbst, aber auch auf der Verpackung und den beiliegenden Dokumenten, ist übrigens keine Rede mehr von einer „Schweizer Marke“ oder von „Schweizer Ingenieuren“. Lediglich als Verkäufer tritt eine Firma auf, die in Zürich registriert ist (siehe Informationen zum Verkäufer) und die die Wortmarke „Gusskönigin“ in der Schweiz hat schützen lassen. Was darüber hinaus schweizerisch ist, abgesehen vom Preis, ist mir ein Rätsel: Das erwähnte Vorbild, das seit Ewigkeiten in Frankreich produziert wird, kostet hier auf dieser Plattform zurzeit (im Angebot) über 100 € weniger (mit lebenslanger Garantie), wenn auch ohne Zubehör. Ohne Angebot bezahlt man für den Topf aus chinesischer Produktion (die nicht schlechter sein muss) also gleich viel und erhält ein paar Zugaben obendrein. Ob sich dies lohnt, muss jeder selbst beurteilen.Unter dem Strich: Ein schöner und guter Topf, leider mit störendem Marketing und überteuert.